Eine Schule im Wandel der Zeit

Vorgeschichte:

Als am 25. Oktober 1951 mit dem Bau der Großkokerei im späteren Ortsteil Lauchhammer- West begonnen wurde, begann auch bald der notwendig gewordene Bau von Wohnungen für die aus allen Teilen der DDR zugewanderten Arbeitskräfte.

Diese schönen und modernen Wohnungen und die gut bezahlte Arbeit in der Großkokerei lockten viele junge Familien in unsere Stadt und mit ihnen kamen auch zahlreiche Kinder. Eine neue Schule musste schnellstens her.

Schuleinweihung:

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1955 war es dann soweit, der Bau der Schule begann. Mit Riesenschritten ging es voran, so dass der Schuleinweihung am 1. September 1956 nichts mehr im Wege stand.

Anfangsschwierigkeiten:

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Aufgrund der vielen Kinder mussten in den Klassenstufen 1 bis 4 drei Parallelklassen eingerichtet werden. Das bedeutete, dass die oberen Klassen keinen festen Klassenraum hatten und demzufolge von Fachraum zu Fachraum wandern mussten. Dies trug zu erhöhter Unruhe in den Pausen bei.

 

 

 

 

 

 

Ein weiteres Problem war auch, dass die Schulmöbel der Unterstufenklassen nicht in allen Räumen der Körpergröße der Schüler angepasst waren. Das konnte dann erst von Jahr zu Jahr verändert werden.

Umfeld der Schule:

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Ausgehend von den Bauplänen war eine großzügige Gestaltung der Außenanlage vorgesehen. Doch Planung und Wirklichkeit standen sich oft gegenüber:

Im ersten Jahr nach der Eröffnung unserer Schule existierte noch kein Schulhof. Die Unterstufenschüler verbrachten ihre Pausen auf der Betonfläche vor der Schule und die oberen Klassen auf dem schmalen Streifen zwischen Schule und den Baracken der Bauarbeiter.

400 000 Mark wurden von der Bausumme gestrichen, weil Geld für den Bau von Kasernen (Einführung der Wehrpflicht) gebraucht wurde d.h. entweder Schulhof oder Turnhalle, denn für beide Vorhaben reichte das Geld nicht aus.        

Selbst für die Turnhalle war das Geld denkbar knapp. Über mehrere Wochen, manchmal auch in den Sportstunden putzen die Schüler der 10. Klassen Mauersteine aus den abgerissenen Baracken ab. So konnten einige tausend Steine beim Turnhallenbau verwendet werden.

Mit der Entscheidung für die Turnhalle lag nun die Verantwortung für den Schulhof in Eigenregie.

Im Elternbeirat waren einflussreiche Mitarbeiter der Grossbetriebe unserer Stadt. Sie halfen! Unser Glück!

Schulgarten:

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Laut Bauplanung war auch ein Schulgarten vorgesehen, aber auch da fehlte für einen Gartenbaubetrieb das Geld.
Was war zu tun? Wieder Aufruf an die Eltern!
Viele kamen, gruben um und legten Beete an, die von den Schülern der Unterstufe bestellt wurden. Neben Bohnen, Zwiebeln und Möhren wurden besonders Blumen ausgesät und gepflanzt, welche als Schmuck für die Klassenräume gedacht waren. So entstand auch ein Wettbewerb um die schönsten und ertragreichsten Beete. Das Erntegut wurde unter den Schülern aufgeteilt und auch in der Schulküche verwendet.

Leichtathletikanlagen und Sportfeld:

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Auch für die Sportanlage waren die vorgesehenen Mittel gestrichen worden, und es mussten die Arbeiten im NAW (Nationales Aufbauwerk) ausgeführt werden. Viele Stunden wurden von Lehrern, Eltern und Schülern geleistet, um eine 100 m-Laufstrecke, zwei Sprunggruben und eine große Sportwiese anzulegen. Mit Technik halfen auch die Patenbrigaden.

Der Patenbetrieb:

Es war eine Selbstverständlichkeit, dass die Großkokerei die Patenschaft über die Schule übernahm, arbeitete doch der überwiegende Teil der Eltern der Schüler in diesem Betrieb.
Bereits am Tag der Eröffnungsfeier, am 1 September 1956, wurde der Patenschaftsvertrag unterzeichnet.

Der Patenschaftsvertrag sicherte der Schule die Unterstützung auf den verschiedensten Gebieten. Bereits im ersten Jahr des Bestehens hatte jede Klasse eine Patenbrigade.

 

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Gelände vor der Schule:

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Hier erfolgte die Gestaltung durch Gärtner der Bauleitung. Auf der rechten Seite wurde eine Buche gesetzt, die sich zu einem prächtigen Baum entwickelt hat. Auf den Rabatten vor den Fenstern gepflanzte Forsythiensträucher blühen noch heute in jedem Frühjahr.
Den zentralen Blickpunkt auf der linken Fläche vor der Schule bildet eine Eisenkunstgussplastik. Sie zeigt zwei Kinder, von denen das ältere dem jüngeren aus einem Buch etwas erklärt. Geschaffen wurde sie 1956 von einem jungen Bildhauer aus der Kunstakademie Dresden, gegossen von der Eisengießerei Pirner, ebenfalls aus Dresden.
Bis 1990 wurde diese Plastik von Schülern der 10. Klasse mit einer „Spezialfarbe“ gestrichen, welche kostenlos von der Kunstgießerei Lauchhammer zur Verfügung gestellt wurde.

Schulnamen:

    Namen der Schule von 1956 bis zur Wende:      

Schulleiter:

1956   Mittelschule Lauchhammer - Neustadt   1956 – 1990   Günter Bogus
             
1960   Polytechnische Oberschule 3   1990 – 1992   Peter Konitzer
             
1969   "Georg Schumann Oberschule"   1992 – 2001   Heinz Mückel
             
1991   II. Gesamtschule Lauchhammer   2001 – 2006   Helga Billwitz
             
2001   Europaschule Lauchhammer (durch   2006   Undine Krahl Koch
    Zusammenlegung von Europaschule        
    Grünewalde, Grundschule Lauchhammer-Mitte,        
    Primarstufe der II. Gesamtschule Lauchhammer)        
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Seit September 2001 werden in diesem Schulgebäude auch die Schüler der Grundschule Gartenstraße und der Europaschule Grünewalde beschult. Gemeinsam mit den Klassen 1 bis 6 der Gesamtschule bilden sie nun die Europaschule Lauchhammer. Der Titel und das europäische Schulprofil wurden übertragen und seither an dieser Schule weitergeführt. Die älteren Schüler, also die Klassen 7 bis 10, lernen nun an der Oberschule "Am Wehlenteich" Lauchhammer.

50-jähriges Bestehen der Schule im Jahr 2006:

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Im Jahr 2006 feierte die Schulgemeinschaft gemeinsam mit der Bevölkerung und ihren Freunden das 50-jährige Bestehen der Schule. Mit einem großen Festumzug begannen die Feierlichkeiten und auf dem Schulhof wurden für alle Schüler und Gäste eine Vielzahl von Aktivitäten bereit gehalten. (Fotogalerie)
Die Angaben zur Geschichte entstammen der Schulchronik
"Eine Schule im Wandel der Zeit"
von Herrn Günter Bogus.
Diese enthält noch eine Vielzahl weiterer interessanter Fakten und Geschichten und ist im Kultur- und Heimatverein Lauchhammer e.V. erhältlich.